Grabstätten im Feld 4

Grabstätte von Leonhard Hörndlein
Bildrechte: St. Rochus Zirndorf

Leonhard Hörndlein (1883 - 1955)

Leonhard Hörndlein war der Sohn des Drechslermeisters Wolfgang Hörndlein. Auch der Großvater hatte dieses Handwerk ausgeübt. Das neue Haus des Leonhard Hörndlein, in dem er wohnte und arbeitete, war lange Zeit das einzige in der unteren Schützenstraße.
Der Vater hatte im Jahre 1897, als Leonhard 14 Jahre alt war, ein Haus in der Schwalbengasse gekauft und dort das erste öffentliche Wannenbad eingerichtet. Er nannte es Otto-Bad und unterteilte es in drei Klassen: Ein Wannenbad kostete damals zwischen 30 Pfennig und einer Mark. Als sich die Reparaturen häuften und der Zuspruch geringer wurde, musste er im April 1901 Konkurs anmelden.
Leonhard Hörndlein führte das Drechslergewerbe mit einem Gehilfen weiter. Inzwischen gab es in der Werkstatt einen Elektromotor. Er nannte sich jetzt Holzwarenfabrikant. Als Spezialität fertigte er nun auch Tabak-Pfeifen und produzierte dazu die nötigen Ersatzteile.
Sein Sohn Georg wollte die Drechslerei nicht übernehmen. Nach seiner Heirat plante er die Auswanderung. Er war schon in Hamburg, als ihn sein Vater mit einer Notlüge zurückholte. Der Vater täuschte eine gravierende Krankheit vor, die zum nahen Tod führen könnte.
Georg gründete in den 1930er Jahren einen Mineralwasserhandel. Später kamen Limonaden hinzu, die er selbst mischte. Die Getränke wurden mit dem Handwagen ausgeliefert. An Sonn- und Feiertagen betrieb er Verkaufsstände an beliebten Ausflugszielen, beispielsweise auf der Alten Veste.
Weil in den gewerblichen Betrieben kein Bier getrunken werden sollte, florierte der Absatz mit alkoholfreien Getränken. Bald konnten Kraftfahrzeuge für den Transport angeschafft werden.
Viele Zirndorfer gaben die leeren Flaschen nicht zurück und verwendeten sie zur Aufbewahrung anderer Flüssigkeiten. Es kam dadurch immer wieder zu Vergiftungen und Todesfällen. Hörndlein verlangte deshalb Flaschenpfand. Damit die Flaschen nicht mit denen des Getränkehändlers Seidel verwechselt   werden konnten, erhielten sie vom Hersteller ein besonderes Kennzeichen  auf dem Verschluss.
In den 1950er Jahren wurde von Georg Hörndlein auch die Marken-Limonade  Sinalco abgefüllt. Im Jahre 1970 stellte er die Produktion ein.

Grabstätte von Konrad Reutter
Bildrechte: St. Rochus Zirndorf

Konrad Reutter (1837 - 1907)

Konrad Reutter war in Zirndorf ein wichtiger Metallwarenfabrikant. Bereits vor Georg Zimmermann hatte er mit der Produktion von Metallspiegeln begonnen. Seine Villa befand sich in der Fürther Straße, dort, wo heute das Rathaus steht.
Er hatte in der Gemeindeversammlung vier Stimmen. Ende des 19. Jahrhunderts übergab er den Betrieb an seinen Sohn Georg. Der suchte bald zusätzliches Personal, meist „solide Arbeitsmädchen“, also Anlernkräfte ohne Fachausbildung.
Ähnlich wie andere Geschäftsleute, spendierte er den Beschäftigten im Jahre 1896 die Fahrt und den Eintritt zum Besuch der Bayerischen Landesausstellung in Nürnberg. Dort präsentierten die Firmen ihre Erzeugnisse. Außerdem bekam das Personal noch ein Zehrgeld.
Als im Jahre 1910 die Arbeiter höhere Löhne forderten, lehnten die Fabrikbesitzer ab. Nach einem Streik traf man sich vor dem Gewerbegericht. Es kam zu einem Kompromiss. Männer erhielten pro Woche 1,50 Mark mehr, Frauen 1 Mark, mussten aber Zugeständnisse machen.
Später lief die Firma nicht mehr so gut. Deshalb verkaufte Georg Reutter das Wohnhaus und die Fabrik an Georg Zimmermann. Er war aber weiterhin als Betriebsleiter dort tätig. Die Mieter durften zunächst in der Villa bleiben. Erst als das Anwesen an die Stadt Zirndorf überging, mussten sie in andere Wohnungen umziehen. Reutter war inzwischen Privatier und fand eine neue Bleibe in der Göringstraße, der heutigen Lessingstraße.
Die Stadt baute die Villa zum neuen Rathaus um. Man erkannte das Wohnhaus anschließend nicht mehr wieder. Weitere Pläne für den Umbau der Werkstätten wurden zurückgestellt, weil bald der Zweite Weltkrieg begann.

 

Grabstätte Kazmeier
Bildrechte: St. Rochus Zirndorf

Georg Kazmeier (1871 - 1949)

Der Lehrer Kazmeier, der aus Wintersdorf stammte, besaß das Haus in der Spitalgasse Nummer 8. Er heiratete im Jahre 1902 die Tochter des Krämers Johann Kuhn.
Kazmeier war ein strenger Pädagoge. Die Schulkinder hatten gehörig Respekt vor ihm. Die Schulklassen waren damals sehr groß mit durchschnittlich 70 bis 80 Kindern. Es herrschte Zucht und Ordnung. Lehrer Kazmeier unterrichtete die 6. und 7. Knabenklassen im Zentralschulhaus an der Bahnhofstraße. Im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs wurde er zum Hauptlehrer befördert.
Kazmeier gehörte zu den geachteten Bürgern der Gemeinde und war gerne auf der Jagd. Im Bürgerverein wurde er zwar nicht in den Vorstand, aber in den beratenden Ausschuss gewählt. Als sich die beiden bürgerlichen Parteien in Zirndorf zusammenschlossen, kandidierte er im Jahre 1919 für die Gemeindewahlen.
Weil ihm nacheinander zwei Jagdhunde vergiftet wurden, setze er in einer Zeitungsanzeige für sachdienliche Hinweise, die zur Ermittlung des Täters führen, eine Belohnung von 100 Mark aus. Ein Jahr später suchte er seinen Jagdhund, Typ Dunkeltiger, der sich verlaufen hatte, ebenfalls per Inserat.
Bei der Feuerschützengesellschaft, den heutigen Königlich-privilegierten Schützen, wurde er zum zweiten Schützenmeister gewählt. Erster Schützenmeister war zu dieser Zeit der Fabrikbesitzer Leonhard Zimmermann.
Als das neuerbaute Mädchenschulhaus in der Mühlstraße eingerichtet wurde, bekam Kazmeier den Posten des stellvertretenden Schulleiters.
Sein Sohn, der ebenfalls Georg hieß, verschmähte eine pädagogische Laufbahn und wurde Kaufmann. Er schrieb im Jahre 1932 eine Diplomarbeit über die wirtschaftliche Bedeutung der Jagd. Einige Jahre später gründete er in Zirndorf einen Großhandel für Futtermittel und Getreide.
Als aktiver Schütze war der Sohn auch Mitglied der Schützengesellschaft. In der Familientradition übernahm er zunächst das Amt des zweiten, dann des ersten Schützenmeisters.
Hans-Georg Kazmeier, der Enkel, war ein unsteter Typ. Die erste Ehe wurde schon nach drei Jahren geschieden. Mit der zweiten Frau lebte er nur kurze Zeit zusammen, dann verstarb er mit 40 Jahren.

 

Grabstätte von Karl Falkenstörfer
Bildrechte: St. Rochus Zirndorf

Karl Falkenstörfer (1860 - 1927)

Der Vater Johann Michael Falkenstörfer hatte zusammen mit seiner Ehefrau Margaretha, geborene Vogler, sechs Kinder. Fünf waren Mädchen, der Sohn Karl übernahm die Bäckerei und die Landwirtschaft. Er wurde dadurch zum Gutsbesitzer.
Dass der Vater vermögend war, kann man daran erkennen, dass er fünf Stimmen in der Gemeindeversammlung hatte. Das waren mehr als bei den meisten anderen Handwerkern in Zirndorf. Die Stimmenzahl richtete sich danach, wieviel Steuern jemand bezahlte.
Neben Backwaren wurden auch Erzeugnisse von den Feldern verkauft, beispielsweise Kartoffeln im Frühjahr und im Herbst. Zur Ernte wurden regelmäßig Frauen und Männer als Tagelöhner beschäftigt. Nachdem immer mehr Arbeiten anfielen, wurde per Anzeige die Stelle eines zuverlässiges Knechts ausgeschrieben.
Als in Zirndorf die Maul- und Klauenseuche ausbrach, wurde auch das Gehöft von Falkenstörfer geschlossen. Es dauerte einige Wochen, bis er die Produkte aus dem Stall wieder verkaufen durfte.
Für die Bäckerei suchte man regelmäßig Lehrlinge. Das kann auch daran gelegen haben, dass die jungen Leute nicht lange blieben. Karl Falkenstörfer war möglicherweise ein schwieriger Chef.
Bei der Gemeindewahl im Jahre 1899 wurde Falkenstörfer in das kommunale Gremium gewählt. Er war dort oft ein anstrengender Gesprächspartner. Auch in den Kirchenvorstand zog er ein.
Wenn es um seine Eigentümer ging, war mit Falkenstörfer nicht leicht zu verhandeln. Als die Alte Veste mit Strom versorgt werden sollte, lehnte er es ab, dass auf seinem Grundstück ein Leitungsmast aufgestellt wird. Der Stadtrat drohte mit einer Zwangsenteignung.
Langwierig waren die Gespräche zur Verbreiterung der Nürnberger Straße auf der Höhe seines Anwesens. Die Mauer seines Grundstückes sollte eingerückt werden. Falkenstörfer stellte dafür mehrere Bedingungen. Dass die Eingangstreppe entfernt wird, lehnte er kategorisch ab.
Im Jahre 1927 verstarb Karl Falkenstörfer im Alter von 67 Jahren. Erst mit seinen Erben, u. a. Bäckermeister Bub, kam es zu einer Einigung. Es war geplant, einen Laden einzubauen.

 

Grabstätte Johann Flor
Bildrechte: St. Rochus Zirndorf

Johann Flor

Der Bäcker Johann Flor war ein mutiger Mann. Kaum hatte er die Meisterprüfung bestanden, begründete er bereits ein Geschäft. Vorher hatte er das Haus in der Spitalgasse 216 übernommen. Bei der Nummerierung nach Straßen bekam es später die Haus-Nr. 10. Einige Wohnungen wurden vermietet.
Im Jahre 1898 heiratete er die Bäckerstochter Anna Barthel. Die Bäckerei der Schwiegereltern befand sich in der Sternstraße. Vor über hundert Jahren gab es in Zirndorf mehr als 20 Bäckereien. Viele arbeiteten ohne Gesellen. Der Mann stand in der Backstube, die Frau verkaufte das Brot, die Brötchen und andere Backwaren.
Häufig mussten bei Flor andere Frauen aushelfen, denn die Ehefrau war regelmäßig schwanger. Von elf Kindern starben allerdings sechs frühzeitig, teilweise innerhalb eines Jahres. Nur drei Jungen und zwei Mädchen lebten längere Zeit.
Wie es mit der Bäckerei ging, als Johann Flor von 1915 bis 1917 beim Militär war, ist nicht überliefert. In der anschließenden schwierigen Zeit kam er mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt. Wegen Vergehens gegen die Verordnung über die Arbeitszeit in den Bäckereien wurde er zu Geldstrafen verurteilt, im Jahre 1926 zu 20 Reichsmark (ersatzweise 4 Tage Gefängnis), im Jahre 1927 zu 30 Reichsmark (ersatzweise 6 Tage Gefängnis) und im Jahre 1928 zu 40 Reichsmark (ersatzweise 8 Tage Gefängnis).
Wegen Nichtverwendung von Kartoffelstärkemehl bekam er im Jahre 1932 eine Strafe von 4 Reichsmark (ersatzweise ein Tag Gefängnis). Zu dieser Zeit mussten dem Mehl solche Ersatzstoffe beigemischt werden, denn das Getreide war knapp.
Ein besonderer Schicksalsschlag war es für die Familie, als der Sohn Friedrich, der in der Bäckerei mitarbeitete und sie übernehmen sollte, im Juni  1933 tot im Wald bei Leichendorf gefunden wurde. Die Ursache ist uns nicht bekannt. Zehn Jahre später fiel der Sohn Martin im Krieg. Jetzt musste der Vater mit 67 Jahren weiter in der Backstube stehen, denn der Sohn Christof, der Gottlieb genannt wurde, war bis 1945 im Feld.
Im Laden gab es neben den Backwaren auch andere Artikel des täglichen Bedarfs, wenn auch in geringer Auswahl. Ältere Zirndorfer erinnern sich daran.

Grabstätte Georg Scharff
Bildrechte: St. Rochus Zirndorf

Georg Scharff (1882 - 1946)

Georg Scharff aus Fürth war praktizierender Arzt in Zirndorf. Mit 27 Jahren wurde er von der Gemeindekrankenkasse zur Behandlung erkrankter Mitglieder zugelassen. Er hatte die Praxis seines Vorgängers Dr. Fick  übernommen.
Während des Ersten Weltkrieges erklärte er sich bereit, unentgeltliche Beratungsstunden für Lungentuberkulose abzuhalten. Wegen der schlechten Ernährung waren damals viele Zirndorfer, vor allem Kinder und Jugendliche, erkrankt.
Im Jahre 1918 wurde er nochmal zum Kriegsdienst eingezogen. Die Stadtverwaltung hatte zwar versucht, eine Freistellung zu erreichen, doch zunächst ergebnislos. Im Oktober grassierte die sogenannte Spanische Grippe. Als Dr. Scharff von der Wehrmacht zurückkam, hatte die Grippe bereits viele Todesopfer gefordert.
Über eine Verlängerung des Vertrages zwischen den Krankenkassen und den Ärzten konnte zunächst keine Einigung erzielt werden. Die Kassenmitglieder wurden deshalb als Privatpatienten gegen Barzahlung behandelt. Die Beratung in der Sprechstunde kostete 5 Mark, ein Hausbesuch 8 Mark.
Mit einer Bekanntmachung wurde die Bevölkerung darüber informiert, dass es ab Januar 1921 einen ärztlichen Sonntagsdienst gibt. Der diensttuende Arzt wurde jeweils in der Zeitung mitgeteilt. In Zirndorf waren Dr. Purpus, Dr. Scharff und Dr. Haußleiter tätig. Sie wechselten sich im Sonntagsdienst ab.
Dr. Scharff war außerdem als Schularzt eingesetzt und als Kolonnenarzt für die Freiwillige Sanitätskolonne Zirndorf tätig. Dort gab er Lehrgänge in Erster Hilfe.
Am 12. Januar 1946 meldeten die Nürnberger Nachrichten, dass der Zirndorfer Arzt in der Nürnberger Straße tödlich verunglückt ist. Ein amerikanischer Lastkraftwagen überfuhr Dr. Scharff und prallte anschließend gegen das Haus Nr. 13.
Die Praxis am Marktplatz übernahm der Sohn Dr. Werner Scharff. Der Stadtrat unterstützte seine Pläne, in Zirndorf eine Privatklinik für Frauenkrankheiten, Entbindungsanstalt, Wöchnerinnen- und Säuglingsheim zu errichten. Sie stellte den erforderlichen Bauplatz zur Verfügung. Weshalb dieser Plan nicht verwirklicht werden konnte, ist leider nicht bekannt.

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