Grabstätten im Feld 3

 

Georg Klampfer (1860 - 1918)

 

Der Zirndorfer Zigarrenfabrikant und Magistratsrat Georg Klampfer (SPD) gehörte der Kammer der Abgeordneten des Bayerischen Landtags von 1912 bis 1914 an. Er war Mitbegründer der SPD in Zirndorf und machte sich als Gemeindeausschussmitglied für die Stadterhebung der Marktgemeinde Zirndorf (seit 1877) stark, die schließlich 1911/12 erfolgte. Eine Gedenktafel an seiner Grabstätte auf dem evangelischen Friedhof Zirndorf erinnert an ihn und den ersten berufsmäßigen Bürgermeister Wilhelm Stettner.

 

Grabstätte Georg Klampfer
Bildrechte: St. Rochus Zirndorf

Georg Zimmermann (1854 - 1920)

 

Obwohl Zimmermann für die Entwicklung der Stadt Zirndorf prägend war, ein Zirndorfer „Gewächs“ war er nicht. Sein Vater stammte aus Greimersdorf, geboren wurde er in Schweinau.
Als Georg Zimmermann vier Jahre alt war, zog die Familie nach Zirndorf. Schon ein Jahr später hatte der fünfjährige Georg nicht nur seine Mutter, sondern auch seinen Vater verloren. Die Waise wuchs im Haus seiner Stiefeltern auf.
Später erlernte er in einem kleinen Betrieb das Metalldrückerhandwerk. Dort verliebte er sich in Margaretha Barbara Wening, die Tochter seines Lehrherrn. Es kam zur Eheschließung und schon bald übernahm er die Werkstätte seines Schwiegervaters und machte sich selbstständig.
Schon früh, bereits mit 28 Jahren, wurde er in die Gemeindeverwaltung berufen. Seine Leidenschaft galt dem Scheibenschießen, er war Mitbegründer des Mittelfränkischen Schützenbundes und 30 Jahre lang Schützenmeister der Zirndorfer Schützen.
Doch nicht nur politisch als stellvertretender Bürgermeister und später als Stadtoberhaupt engagierte sich Zimmermann in Zirndorf. Sein beruflicher Erfolg, 1919 beschäftigte er in seinem Betrieb 300 Mitarbeiter, verhalf ihm sogar zu einer besonderen Auszeichnung: 1901 erhielt er den Titel Königlicher Kommerzienrat, der vor allem Persönlichkeiten der Wirtschaft verliehen wurde.
Mit zahlreichen Stiftungen, darunter zwei Kirchenfenster für die evangelische Kirche St. Rochus, sowie Zuwendungen für Sport- und andere Vereine förderte Georg Zimmermann das Wohl des Gemeindelebens der Bibertstadt.
Auch der Bau der Jahnturnhalle geht auf seine Initiative zurück. Erinnerungen an Georg Zimmermann wecken nicht nur der Zimmermanns-Park, in dem die Familie einst ein „Wochenendhaus“ besaß, sondern auch die einstige Fabrikanlage und das ehemalige Wohnhaus der Familie, das heute unter Denkmalschutz steht.

aus: "Archivbilder" Matthias Popp

 

Grabstätte Georg Zimmermann
Bildrechte: St. Rochus Zirndorf

Lorenz Schachtel (1860 - 1941)

 

Johann Jakob Schachtel (1830 - 1906)

Der Metzgermeister Johann Jakob Schachtel war ein angesehener Bürger. Er hatte das Bürgerrecht erworben und in der Gemeindeversammlung eine Stimme. Bald zog er sich zurück und ließ sich als Privatier titulieren.

Lorenz Schachtel (1860 - 1941)

Sein Sohn Lorenz, der ebenfalls Metzger war, brachte es zu einigem Vermögen. Aufgrund seiner Steuerkraft hatte er schon im Jahre 1884 vier Stimmen in der Gemeindeversammlung. Da war er gerade 24 Jahre alt.
Lorenz Schachtel hatte einen ausgeprägten Geschäftssinn. Er wusste, wie man sein Geld am besten anlegt. Er kaufte Grundstücke an der Volkhardtstraße, auf der Oberasbacher Höhe, bei der Burgfarrnbacher Straße und in anderen Gebieten. Außerdem wurde er Teilhaber an verschiedenen Firmen. Als sein Vater starb, vermehrte sich das Vermögen beträchtlich.
Auch in der Gemeindepolitik war Lorenz Schachtel gerne aktiv, als Gemeinderat und nach der Stadterhebung als Gemeindebevollmächtigter. Obwohl er auf der bürgerlichen Seite stand, hatte er oft andere Ansichten als Georg Zimmermann oder Bürgermeister Stettner.
Beim Bau der Bibertbahn schlug er die Zirndorfer Haltestelle auf der Oberasbacher Höhe oberhalb des Flussbades vor. Er wollte dazu sogar einen finanziellen Beitrag leisten. Die Fürther Straße sollte vom Marktplatz aus direkt dorthin führen. Mit Altenberg fand man allerdings eine andere Lösung für den Bahnhof, der dann Zirndorf-Altenberg hieß.
Während des Ersten Weltkriegs arbeitete Lorenz Schachtel in der Lebensmittelkommission. Seine Frau und er waren bereit, die vom Stadtrat besorgten Lebensmittel ehrenamtlich in ihrem Laden zu verkaufen bzw. gegen Marken abzugeben. Er wollte dadurch aber nicht in Konflikt mit den Zirndorfer Spezereihändlern geraten. Andere Geschäftsleute waren nicht bereit, in gemeinnütziger Weise tätig zu werden.
Als es um die Frage der Eingemeindung von Zirndorf nach Nürnberg ging, war Schachtel vehement dagegen. Er sammelte als Vertreter des Haus- und Grundbesitzervereins viele Unterschriften für eine Abstimmung durch die Bevölkerung. Die Eingemeindung wurde aber von der Regierung verhindert, weil sonst der Bezirk Fürth-Land finanziell ausgeblutet wäre.
Wenn es sich um seine Grundstücke handelte, konnte Schachtel ziemlich stur sein. Als die Volkhardtstraße verbreitert werden musste, sollte er etwas von seinem Land abgeben. In den Verhandlungen stellte er hohe Forderungen, nicht finanzieller Art, sondern er wollte andere Grundstücke aus dem städtischen Besitz.
Er konnte aber auch anders sein. Im Juli 1929 meldete die Lokalzeitung, dass der Gutsbesitzer und frühere Metzgermeister Schachtel ein Grundstück im Wald verschenkt hat, und zwar an die Ortsgruppe Zirndorf des Reichsverbandes der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen. Es handelte sich um 1/4 Tagwerk in der Waldabteilung „Heiligen Holz“ bei den sogenannten Saugräben.
Auf einem der Schachtel’schen Grundstücke bei der Volkhardtstraße sollte ein Spiel- und Sportplatz entstehen. Der Stadtrat hielt das Gelände für bestens geeignet. Doch Schachtel war dagegen. Als der Stadtrat an seinem Plan festhielt, beschwerte sich Schachtel beim Bezirksamt. Damit hatte er jedoch keinen Erfolg. In den dreißiger Jahren gab es dann andere Entscheidungen, das Gelände wurde teilweise bebaut.
Mit zunehmendem Alter regte sich Lorenz Schachtel immer mehr auf, auch über die Kinder, die vor seinem Haus vom Koppenplatz nach unten zur Hauptstraße rodelten. Das war nicht ungefährlich und manche Fußgänger kamen zu Fall.
Die Lokalzeitung bezeichnete Schachtel als einen der reichsten Männer der Bibertstadt. Bei der Spar- und Darlehenskasse hatte er ein gewichtiges Wort mitzureden. Er war lange Zeit deren Aufsichtsratsvorsitzender. Im Jahre 1941 ist Lorenz Schachtel verstorben.

Leonhard Schachtel (1915 - 1974)

Der von ihm angenommene Sohn Leonhard war in der Burgfarrnbacher Straße aktiv. Den älteren Zirndorfern ist der Name Schachtel noch im Zusammenhang mit Altwaren in Erinnerung. Auch damit ließ sich Geld verdienen.

Aus einem Vortrag über reiche Leute und arme Schlucker von Klaus Übler, Geschichtswerkstatt Zirndorf.

 

Grabstätte der Familie Schachtel
Bildrechte: St. Rochus Zirndorf

Michael Schöner (1889 - 1945)

 

Der Milchhändler Michael Schöner hatte sein Geschäft in der Bachstraße, kurz vor dem Heckelsplatz. Das Anwesen gehörte vorher dem Ökonomen Friedrich Heindel. Konrad Schöner, der Vater von Michael, war Landwirt.
Er selbst arbeitete eine Zeit lang als Dienstknecht in Triesdorf. Aus dem Ersten Weltkrieg kam er als Kriegsinvalide zurück. In Zirndorf war er zunächst als Amtsgehilfe tätig. In der städtischen Milchzentrale arbeitete er stundenweise eingesetzt.
Als Michael Schöner sein Wohnhaus baute, gab es den Milchladen schon. Er bezog die Milch von verwandten Bauern aus der Umgebung. Seine Ehefrau war eine geborene Ortegel. Deren Vater war Kutscher beim Doktor Purpus.
Im Milchladen gab es neben Molkereiprodukten auch andere Lebensmittel: Nudeln, Reis, Erbsen. Sie wurden in Spitztüten abgefüllt. Die Konkurrenz war groß. Michael Schöner schlug deshalb eine Bezirkseinteilung vor. Die wurde aber nicht immer eingehalten.
Sogar vom Hirtenacker kam die Milchhändlerin in die Kernstadt. Den Stammkunden wurde die Milch nach Hause gefahren. Die Leute stellten Töpfe mit Deckeln bereit. Einmal in der Woche wurde kassiert.
Der Laden war eine Nachrichtenbörse. Neben wichtigen Informationen gab es viel Klatsch und Tratsch. Manche Kundinnen haben auf den Stühlen Platz genommen und sind eine Weile geblieben.
Im Jahre 1926 errichtete das Finanzamt in Zirndorf eine Steuerhilfskasse. Als Verwalter dieser Kasse wurde der Milchhändler Schöner aufgestellt. In einem extra Raum seines Hauses nahm er die Einzahlungen für die verschiedenen Steuern entgegen. Die Zirndorfer mussten jetzt nicht mehr nach Fürth fahren oder die Beträge von einem Konto überweisen.
Die Tochter Johanna durfte schon sehr früh im Laden mitarbeiten oder Milch ausfahren. Weil sie auch nach der Schulzeit gebraucht wurde, konnte sie keinen anderen Beruf erlernen. Nach den Eltern führte sie das Milchgeschäft weiter. Im Jahre 1990 hat sie es geschlossen, weil es sich nicht mehr rentierte.

 

Grabstätte Michael Schöner
Bildrechte: St. Rochus Zirndorf

Leonhard Förtsch (1988 - 1961

 

Die älteren Zirndorfer erinnern sich sicher noch an den früheren Bürgermeister. Er war ein umgänglicher Mensch, volkstümlich und allseits beliebt. Er stammte aus Hohholz bei Emskirchen und kam als Waisenkind mit 12 Jahren zusammen mit mehreren älteren Geschwistern nach Zirndorf.
Leonhard Förtsch erlernte den Beruf des Metalldrückers, seine Brüder waren ebenfalls in Metallberufen tätig. Peter, der älteste, war vor allem in der Gewerkschaft aktiv. Er starb schon sehr früh mit 32 Jahren.
Leonhard Förtsch stieß bereits in jungen Jahren zur Zirndorfer Arbeiterbewegung. Er wurde Mitglied in der Gewerkschaft und und bei den Sozialdemokraten. Ab 1915 engagierte er sich stärker im Sozialdemokratischen Wahlverein. Vorher hatte er das Bürgerrecht erworben, um wählen zu können.
Für die SPD zog Leonhard Förtsch im Jahre 1919 erstmals in den Stadtrat ein. Er baute das städtische Arbeitsamt auf und war dessen Leiter. Bei der Konsumgenossenschaft übernahm er im Jahre 1925 den Posten des Lagerhalters - vergleichbar einem Filialleiter -, den er auch im Dritten Reich behielt. Die politischen Aktivitäten der Genossen mussten aber ruhen, die SPD war verboten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Amerikaner unbelastete Bürger suchten, wurde Leonhard Förtsch von der Militärregierung zum ehrenamtlichen zweiten Bürgermeister berufen. Erster Bürgermeister war zu dieser Zeit Michael Emmerling. Förtsch übernahm das Wohlfahrts- und das Ernährungsamt und kümmerte sich um die Versorgung der Bevölkerung.
Im Jahre 1946 wurde Förtsch nach der Gemeindewahl in seinem Amt als zweiter Bürgermeister bestätigt. Auch in den Kreistag des Landkreises Fürth zog er ein. Als Michael Emmerling aus beruflichen Gründen als erster Bürgermeister zurücktrat, wählten die Zirndorfer Stadträte Leonhard Förtsch zu seinem Nachfolger. Er übte dieses Amt bis zu seinem Tode im Dezember 1961 ehrenamtlich aus. Die Wähler hatten ihn immer mit großer Mehrheit zu ihrem Stadtoberhaupt gewählt.
Die Bevölkerung trauerte um ihren „Hartl“. Leonhard Förtsch war einer der populärsten Bürgermeister im Landkreis Fürth. Auch von den politischen Gegnern wurde er geachtet. Zu seinem Nachfolger wählten die Zirndorfer im Jahre 1962 den jungen Verwaltungsbeamten Virgilio Röschlein.

 

Grabstätte Leonhard Förtsch
Bildrechte: St. Rochus Zirndorf

 

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