Altar

Kurzbeschreibung

Großer, sehr reich ausgestatteter Barockaltar. Ein Zweisäulenretabel mit stark gedrehten Säulen und reichen verkröpften Gebälk- und Giebelformen. Im durchbrochenen Innenfeld die vollplastischen Figuren von Christus am Kreuz, darunter Maria, Maria Magdalena und Johannes. Im Giebel in einem Rundbogenfeld Gottvater in Halbfigur, darüber die Taube des Heiligen Geistes im Strahlenkranz, seitlich je zwei Engel. In den durchbrochenen Akanthusblendflügeln zwei große Engel mit Leidenswerkzeugen, darunter seitlich zwei große Gewandfiguren mit Büchern (Propheten Elia und Mose?. In der Predella eine Abendmahlsszene im ovalen Akanthusrahmen.
Dagmar Thormann M.A. Denkmalpflege in der ELKB

Stifter ermöglichten die Vollendung des Schmuckstücks

Nach den Verwüstungen, die der Dreißigjährige Krieg auch in Zirndorf hinterließ, dauerte es aufgrund der großen Not, die im ganzen Lande herrschte, rund 50 Jahre, bis man an den Wiederaufbau der Rochus-Kirche denken konnte.

So kommt es, dass erst wenige Jahre vor 1700 ernsthaft mit den Renovierungsarbeiten an St. Rochus begonnen wurde. Bezahlen musste diesen Wiederaufbau der Markgraf von Brandenburg-Ansbach, er war schließlich der Patronatsherr der Kirche. Im Namen des Markgrafen Georg Friedrich des Jüngeren wurde dann auch kurz vor der Jahrhundertwende der Wiederaufbau von St. Rochus zügig in Angriff genommen.

Doch nach dem Jahr 1703 stockten die Arbeiten. Der junge Markgraf starb in der Schlacht von Schmidtmühlen und sein Bruder und Nachfolger, der neue Markgraf Wilhelm Friedrich hatte entweder kein Geld oder aber kein Interesse am Weiterbau der Zirndorfer Kirche und so ruhten die Bauarbeiten rund 10 Jahre lang. Den Zirndorfern riss dann so langsam die Geduld, und so nahmen sie im Jahre 1713 die Sache selbst in die Hand und gründeten einen „Förderverein“ zum weiteren Ausbau ihrer Kirche. Und dieser Förderverein lieferte zusammen mit namhaften Spenden gut situierter Zirndorfer Bürger den Grundstock für die prächtige Innenausstattung der Rochus-Kirche.

So entstand zwischen den Jahren 1714 und 1726 ein Gesamtkunstwerk des Barock. Alle Kunstwerke sind aufeinander bezogen und alles strebt hin auf das Zentrum der Kirche, den Hochaltar, der nun ausführlicher beleuchtet wird. Die Bildersprache ist zwar ganz klar protestantisch, doch die Ausführung in ihrem barocken Prunk eindeutig "katholisch".

Wie kommt nun ein "katholischer" Altar in eine protestantische Kirche?

Baugeschichte - Der Altar
Bildrechte: St. Rochus in Zirndorf

Nun - da muss man sich ein wenig in der näheren Umgebung umschauen. Und tatsächlich, drüben im Zenntal wird man fündig. Dort gab es damals eine kleine Herrschaft, die Herrschaft Wilhermsdorf. Diese Herrschaft kam Mitte des 17. Jahrhunderts an das Haus Hohenlohe und um das Jahr 1700 lebte und regierte dort eine Gräfin Franziska Barbara. Diese Gräfin von Hohenlohe entschließt sich im Jahre 1708 ihren Untertanen eine neue Kirche zu stiften. Die Untertanen sind protestantisch, die Gräfin aber ist katholisch.

Franziska Barbara pflegte enge Kontakte zum Fürst-Bischof von Würzburg und so bittet sie diesen um Baumeister für ihre geplante Kirche in Wilhermsdorf, denn in den protestantischen Landen gab es zu dieser Zeit kaum Leute, die im Kirchenbau Erfahrung hatten. Der Bischof schickte also Baumeister, aber diese Baumeister sind halt nur mit dem katholischen Kirchenbau vertraut. Die Wilhermsdorfer Kirche ist zwar - darauf hat die Gräfin bestanden - auf die protestantische Liturgie ausgerichtet, stellt aber vom Habitus her eben eine katholische Kirche dar.

Die Gräfin legte weiterhin Wert darauf, dass in Wilhermsdorf - soweit möglich - ortsansässige Handwerker beschäftigt werden. Diese Handwerker, die ja wohl in Bezug auf Kirchenausstattung kaum Erfahrung hatten, mussten sich ganz dem künstlerischen Stil der Baumeister aus Würzburg anpassen und so entstand in Wilhermsdorf eben ein katholischer Altar in einer protestantischen Kirche. Dieser Altar wurde im Jahre 1712 geweiht und ist noch heute zu bewundern.

Nach 1713 suchten nun die Zirndorfer nach geeigneten Künstlern für ihren Altar und was lag da näher, als auf die Erfahrungen der Wilhermsdorfer Handwerker zurückzugreifen. Diese hier geschilderte Entstehungsgeschichte unseres Altars lässt sich dokumentarisch leider nicht nachweisen, die entsprechenden Rechnungen sind im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen, aber stilistische Vergleiche mit Wilhermsdorf und die Entstehungsgeschichte des dortigen Altars machen einen solchen Zusammenhang wahrscheinlich. So also ist unsere Kirche wohl zu ihrem prächtigen Altar gekommen.

Baugeschichte - Engel am Altar
Bildrechte: St. Rochus in Zirndorf

Die Gräfin legte weiterhin Wert darauf, dass in Wilhermsdorf - soweit möglich - ortsansässige Handwerker beschäftigt werden. Diese Handwerker, die ja wohl in Bezug auf Kirchenausstattung kaum Erfahrung hatten, mussten sich ganz dem künstlerischen Stil der Baumeister aus Würzburg anpassen und so entstand in Wilhermsdorf eben ein katholischer Altar in einer protestantischen Kirche. Dieser Altar wurde im Jahre 1712 geweiht und ist noch heute zu bewundern.

Nach 1713 suchten nun die Zirndorfer nach geeigneten Künstlern für ihren Altar und was lag da näher, als auf die Erfahrungen der Wilhermsdorfer Handwerker zurückzugreifen. Diese hier geschilderte Entstehungsgeschichte unseres Altars lässt sich dokumentarisch leider nicht nachweisen, die entsprechenden Rechnungen sind im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen, aber stilistische Vergleiche mit Wilhermsdorf und die Entstehungsgeschichte des dortigen Altars machen einen solchen Zusammenhang wahrscheinlich. So also ist unsere Kirche wohl zu ihrem prächtigen Altar gekommen.

Eines muss noch nachgetragen werden: Für die Farbfassung des Altars reichte das gesammelte Geld nicht aus und so fand sich ein Mäzen, der diese Farbfassung - sie wurde nachträglich dann erst im Jahre 1726 fertig gestellt - stiftete. Dieser Mäzen heißt Johann Georg Bentz, ein Kaufmann aus Nürnberg, der in Zirndorf seinen Lebensabend verbrachte, hier am 20. November 1729 verstarb und am 24. November durch Pfarrer Johann Georg Pachelbel beerdigt wurde.

Dieser Kaufmann Johann Georg Bentz kannte Zirndorf bereits von früher. Er hatte nämlich im Jahre 1693 in der noch nicht wieder aufgebauten Kirche geheiratet. Wie das?

Ein Zirndorfer war er nicht. Geboren wurde er in Esslingen bei Stuttgart und beschäftigt war er 1693 als Kaufmannsgehilfe in Nürnberg, doch als armer Kaufmannsgehilfe konnte er sich eine Hochzeit in Nürnberg nicht leisten, denn die Heiratsgebühren waren in der Stadt wesentlich höher als draußen auf dem Lande. So bat er also um die Erlaubnis eben „auf dem Lande“ heiraten zu dürfen. Warum er dann gerade Zirndorf wählte, wissen wir nicht. In Nürnberg kam er dann - wie es scheint - zu bescheidenem Wohlstand, der es ihm schließlich erlaubte, als Privatier in Zirndorf seinem Lebensabend zu verbringen.

Warum er dann die Farbfassung für den Altar stiftete? Vielleicht führte er eine glückliche Ehe? Eine glückliche Ehe, die eben in Zirndorf ihren Anfang nahm? Vielleicht wollte er sich für sein Lebensglück durch diese Spende bedanken?

Wir wissen es nicht, doch seien wir ihm dankbar für das Geschenk, das er uns gemacht hat und über das wir uns heute nach fast 300 Jahren noch freuen können

Walter Kress