Die Zirndorfer Stadtkirche St. Rochus
Ausstattung und Kunstwerke
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Obwohl Zirndorf 1632 innerhalb der Wallensteinischen
Befestigung lag, hatte die Kirche weniger unter den sonst üblichen
Kriegsverwüstungen gelitten, als unter einer bereits 1620 einsetzenden
Jahrzehnte langen Verwahrlosung, die durch den Tod so vieler
Gemeindemitglieder und dem damit verbundenen Rückgang der Einnahmen
verursacht war. Sie konnte erst an der Wende zum 18. Jahrhundert behoben
werden.
Die 1684 noch vorhandene spätgotische Einrichtung muss
kurz darauf beseitigt und Zug um Zug durch eine einheitlich christologisch –
evangelisch orientierte Barockausstatung ersetzt worden sein. Wesentliche
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Impulse gingen dabei von privaten Spendern aus. Allem Anschein nach wurden
völlig neue Emporen eingezogen. Dabei entstand an der Nordseite auch eine
wappengeschmückte Loge für den Patronatsherrn, den Markgrafen. Die 44
Brüstungsfelder der Emporen ließen die Eheleute Johann und Walburga Siebenkäs,
Müller zu Leichendorf, 1714 mit Bildern nach Motiven aus dem Alten und
Neuen Testament ausmalen. Der unbekannte Maler hat sich dabei bis auf einige
Ausnahmen der 1625 – 27 erschienen Radierungen in den Icones biblicae des
Matthäus Merian als Vorlage bedient. So gewinnen die Bilder auch als Kopien
durch den Schwung und Merians geniale Komposition von Gestalten und
Bauten.
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Von der Südwestecke der unteren Empore aus sind im
Uhrzeigersinn folgende Ereignisse dargestellt:
- Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen (Mt 13,24 – 30.36 –43)
- Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20, 1 – 16)
- Stephanus vor dem Hohen Rat (Apg 6, 8 – 7,53)
- Steinigung des Stephanus (Apg 7, 54 –8,1)
- Die drei Männer im Feuerofen (Dan 3, 1 –30)
- Daniel in der Löwengrube (Dan 6, 1 –29)
- Die Stillung des Sturms (Mt 8, 23 – 25)
- Elisa der Kahlkopf (2.Kön 2, 23 – 25)
- Das kanaanäische Weib (Mt 15, 21 –28)
- Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Mt 22, 35 – 40)
- Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus (Lk 16, 19 –31)
- Hiskia zeigt dem König zu Babel die Schätze des Tempels (?) (2.Kön 20,13)
- Taufe des Hauptmanns Cornelius (Apg 10, 1 – 48)
- Der Drache zu Babylon (22 - 41)
- Heilung des Lahmen an der Tempeltür (Apg 3, 1 –16)
- Noahs Dankopfer und Gottes Bund mit Noah (Gen 8, 20 – 9,17)
- Einzug Davids mit dem Haupt Goliaths (1.Sam 17, 52 – 58)
- Bethlehemitischer Kindermord (Mt 2, 1 – 12)
- Königin von Saba bei König Salomo (1.Kön 10, 1 – 13)
- Christi Geburt (Lk 2, 1 – 10)
- Die Weisen aus dem Morgenland (Mt 2, 1 – 12)
- Der zwölfjährige Jesus im Tempel (Lk 2, 41- 52)
- Hochzeit zu Kana (Joh 2, 1 –11)
- Jesu Taufe am Jordan (Mt 3, 13 – 17)
- Einzug in Jerusalem (Mt 21, 1 – 11)
- Auszug aus Ägypten (Ex 12, 1 – 14)
- Heiliges Abendmahl (Mt 26, 17 –30)
- Die Fußwaschung (Joh 13, 1 – 20)
- Die eherne Schlange (Ex 21, 1 – 9)
- Jesus in Gethsemane (Mt 26, 36 – 46)
- Jesu Geißelung (Joh 19, 1 – 5)
- Jesus auf dem Weg nach Golgatha (Lk 23, 26 – 31)
- Jesu Kreuzigung (Mt 27, 31 – 56 / Joh 19, 17 – 27)
- Auferstehung Christi (Mt 28, 1 –4 / Mk 16,1)
- Landschaftsdarstellung
- Landschaftsdarstellung
- Gottes Majestät (Offb 4, 1 –11)
- Die Bundeslade wird nach Jerusalem gebracht (2.Sam 6, 12 – 19)
- David als Psalmensänger
- Musizierende Engel
- Musizierende Engel
- Allegorie des Hohen Liedes
- Die Einnahme Jerichos (Jos 6, 1 –21)
- Jephthahs Tochter (Ri 11, 29 – 40)
- (Keine Abhängigkeit von Merian bei Nr. 3, 12, 16, 18, 19, 21, 22, 25, 28, 35, 36, 40, 41)
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Altar, Kanzel und die auf einer Akanthuskonsole stehende
Figur Johannes des Täufers sind im Symbolgehalt genau aufeinander abgestimmt
und bilden eine Einheit. Vom Künstlerischen her sind sie als sehr bemerkenswerte
Arbeiten der Barockzeit zu bezeichnen. Leider wissen wir nicht, wer sie
geschaffen hat.
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Der Inschrift auf der Altarrückseite zufolge
ließen der Kaufmann Johann Georg Bentz und seine Ehefrau Barbara den Altar
1726 fassen. Es handelt sich um einen blaugrün marmorierten und schwarz
gefassten Holzaufbau in der Form eines Triumphbogens, dessen ornamentales
Schnitzwerk vergoldet ist. Der Altar steht unter der Thematik "Christi
Verklärung" und geht in der Predella aus vom Leidensweg des Herrn, beginnend
beim Abendmahl:
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Zwischen gedrehten korinthisierenden Säulen wird der Kreuzigungstod Christi
dargestellt: Christus am Kreuz, davor Maria, Maria von Magdala und Johannes
in bewegter Gebärdensprache des B diesem Mittelfeld gehören auf beiden
Seiten Engel mit dem Leidenswerkzeugen Christi, während links Elia und
rechts Mose Prophetie und Gesetz repräsentieren, die in Christus Erfüllung fanden.
Christi Triumph über den Tod aber ist im Giebelfeld symbolisiert durch die
von Engeln getragenen Märtyrerpalmen, seine Verklärung durch Gott Vater. In
einem vom Heiligen Geist wehend bewegten Gewand, den Reichsapfel in der Hand,
dem Symbol der Herrschaft über die Welt, weist er mit der Rechten auf
Christus, während sein halb geöffneter Mund gleichsam die Beantwortung der
Frage andeutet, ob Christus der wahre Messias sei: "Dies ist mein lieber Sohn,
an dem ich Wohlgefallen habe." Darüber schwebt die Taube des Heiligen Geistes
in einer Linie über Gott und Christus, was als Ausdruck für die Dreieinigkeit
zu werten ist, wie auch das Giebelfeld in einem gleichseitigen Dreieck
gestaltet wurde, das in der Symbolik für Trinität steht.
Die schön geschnitzte Kanzel wurde 1720 anläßlich einer Vergoldung
zum ersten Mal erwähnt. Die Felder des sehr dekorativen polygonalen Korbes
münden unten in einer geschnitzten Traube - Symbol für Wein und damit für
Christi Blut. In den rundbogigen Seitennischen finden wir die Schnitzfiguren
der vier Evangelisten. Zweien fehlt das sie kennzeichnende Symbol. Sie stehen
für das auf der Kanzel verkündete Wort, während unter dem Kanzelpult Christus
seiner Gemeinde mit der erhobenen, von dem Wundmal des Nagels gezeichneten
Hand den Friedensgruß entbietet. Auf dem von zwei Engelhermen gestützten
Schalldeckel der Kanzel steht die Figur des Auferstandenen. Hier wird die enge
Verbindung zur Figur des Gekreuzigten auf dem Altar sichtbar, dessen Tod die
christliche Gemeinde verkündet und dessen Auferstehung sie preist.
Das Werk der heutigen Orgel wurde 1973 in einen siebenteiligen,
barocken Orgelprospekt eingebaut, der durch lebhaftes Akanthusschnitzwerk,
musizierende Engel und symbolhafte Früchte geschmückt ist. Den dreiteiligen
Prospekt der Vororgel haben 1726 Stephan und Margaretha Esther
Hoffmann, Müller zu Zirndorf, gestiftet.
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An der südlichen Langhauswand finden wir zwei Grabdenkmäler. Das erste
erinnert an den hohenzollerischen Regimentsfähnrich Georg Philipp Bachmann, †
1704, das zweite an Johann Wilhelm Christoph von Preyßing auf Lichteneck, den
1710 verstorbenen Kommandanten der Festung Würzburg, die im Reliefbild auf dem
Stein abgebildet wurde. Beide Offiziere wurden in der Kirche begraben.
Der Taufstein der Kirche stammt aus dem 19.Jahrhundert.
Trotz der Ablieferungspflicht im 1. und 2. Weltkrieg sind auf dem
Zirndorfer Kirchturm vier Glocken als bemerkenswertes Zeugnis
mittelalterlicher und barocker Gießkunst erhalten geblieben. Die älteste
Glocke von 450 kg stammt noch aus der Spätgotik. Sie trägt die Inschrift: Ave
Maria gracia plena dominvs tecvm benedicta (Gegrüßest seist du Maria, voller
Gnaden, der Herr ist mit dir, Gebendeite). Eine zweite mit 658 kg Gewicht war
1658 dazu gekommen: "Durchs Fever flos ich Wolfgang Roth von Nürnberg gos mich
Anno 1658 Verbum domini mohnet (richtig: manet) in aeternum." (Das Wort des
Herrn bleibt in Ewigkeit.)
1663 goss Wolfgang Roth im Zirndorfer Glockengießerhof eine 1340 kg schwere
Glocke aus einer zersprungenen um. Inschrift: "Man haist mich ja frei die
große Tvrckenglocken Dieweil ich die Christen zvr Byse thv locken Dvrch große
Fevers Hitz vnd Glvt bin ich geflossen Als mich Wolfgang Roth von Onoltzbach
hat gegossen Herr Johann Lavbinger Pfarrer – Hans Ramb vnd Marx Hvfschmid –
beede Heilingpfleger der Zeit A 1663 MPM - Die vierte Glocke wurde 1769
gegossen: "Aus dem Fever flos ich Johann Ernst Lösch von Creilsheim gos mich
Zirndorf 1769".
Wir wissen, dass wiederholt Glocken im Zirndorfer Turm durch Blitzschläge
zersprangen. Eine Tafel auf der Orgelempore erinnert an einen Blitzschlag am
15.08.1741.
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nach Helmut Mahr
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